Österreich: Das Alpenland, das die moderne Postkarte erfunden hat

Österreich: Das Alpenland, das die moderne Postkarte erfunden hat

  • Hauptstadt: Wien [1]
  • Einwohnerzahl: etwa 9,1 Millionen [1]
  • Fläche: 83.879 Quadratkilometer (32.386 Quadratmeilen) [1]
  • Amtssprache: Deutsch (österreichische Variante) [1]
  • Währung: Euro (EUR) [1]
  • Die Alpen bedecken etwa 62 Prozent der Landesfläche [2]

Ich bin aufgewachsen mit der Vorstellung, Österreich sei im Grunde ein kleineres, ruhigeres Deutschland mit besseren Bergen. Dann begann ich zu lesen, und je mehr ich las, desto mehr merkte ich: Das ist so, als würde man sagen, Montana sei einfach ein ruhigeres Wyoming. Die Geographie sieht auf der Karte ähnlich aus, aber das eigentliche Land hat seine eigene Schwerkraft. Österreich ist ein Land, in dem ein Kaffeehaus auf der UNESCO-Welterbeliste stehen kann, in dem ein kleines Dorf in den Alpen die erste Bildpostkarte der Welt für sich beansprucht – und in dem die Nationalhymne wahrscheinlich nicht von Mozart geschrieben wurde, obwohl das jeder gerne so hätte. Das sind die Dinge, zu denen ich immer wieder zurückkomme.

Ein kleines Land mit übergroßem kulturellen Einfluss

Österreich ist in etwa so groß wie der US-Bundesstaat Maine, aber einige Jahrhunderte lang regierte es eines der größten Reiche Europas. Die Habsburger hielten in Wien Hof und zogen Komponisten, Wissenschaftler und Architekten an wie eine Veranda-Lampe Motten anzieht. So erklärt sich, wie ein Land mit neun Millionen Einwohnern Mozart, Haydn, Schubert, Mahler und Strauß hervorbringen konnte – dazu Freud, Schrödinger und Wittgenstein, sowie die Schneekugel und die Nähmaschine. Es stellt sich heraus, dass Machtkonzentration, ernsthafte Musikförderung und ein paar gute Universitäten etwas mit einem Ort machen.

Wien selbst war über sechshundert Jahre lang die kaiserliche Hauptstadt, und das ist noch immer zu spüren. Die Stadt hat mehr als hundert Museen, und allein das Schloss Schönbrunn hat 1.441 Zimmer. Als das Reich nach dem Ersten Weltkrieg zusammenbrach, war Österreich plötzlich ein kleines Land mit einer für ein Imperium gebauten Stadt. Seitdem sucht man nach einem Umgang mit all dieser Infrastruktur – meistens, indem man sie in hervorragende öffentliche Räume verwandelt.

Die Alpen sind keine Kulisse, sie sind das Land

Etwa 62 Prozent Österreichs liegen in den Alpen [2]. Das ist kein Merkmal, sondern die strukturelle Bedingung des Landes. Der Großglockner, der höchste Berg des Landes, erreicht 3.798 Meter (12.461 Fuß) [3]. Ganze Täler verbringen den Winter ohne direkte Sonneneinstrahlung, weil die Berge zu hoch und der Winkel zu steil sind. Es gibt eine Stadt namens Rattenberg, die riesige Spiegel an den umliegenden Hängen aufgestellt hat, um Sonnenlicht in die Straßen zu lenken – denn sonst ist es im Winter monatelang nur trüb.

Die Berge prägen alles. Sie bestimmen, wo Menschen leben, was sie essen, wie sie sich fortbewegen und was sie in ihrer Freizeit tun. Österreich hat mehr als 250 Skigebiete, und Skifahren ist dort weniger ein Hobby als eine bürgerliche Grundfertigkeit. Kinder lernen Skifahren so, wie Kinder in Montana das Angeln lernen. Es gibt ein bundesweites Skischulsystem. Das Land hat mehr olympische Medaillen im alpinen Skisport gewonnen als jede andere Nation.

Seen, die wie Photoshop wirken

Die Alpen bringen Seen mit sich. Hallstätter See, Wolfgangsee, Wörthersee. Das Wasser einiger von ihnen ist direkt aus dem See trinkbar, zertifiziert von österreichischen Behörden. Hallstatt, das Dorf am Hallstätter See, ist so malerisch, dass es 2012 in der chinesischen Provinz Guangdong von einem Bergbauunternehmen als vollständige Replik nachgebaut wurde. Das Original hat weniger als 800 Einwohner und empfängt fast eine Million Besucher pro Jahr – was seine eigenen Probleme mit sich bringt.

Wien und das Kaffeehaus

Die Wiener Kaffeehauskultur steht auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Nicht die Gebäude – die Praxis. Die Idee, dass man eine Tasse Kaffee kaufen und den ganzen Tag dort sitzen kann, die vom Café bereitgestellten Zeitungen lesen, an seinem Roman schreiben, über Wittgenstein streiten – und niemand drängt einen. Das ist seit 2011 als Kulturerbe geschützt [4].

Die Kaffeehauskultur begann nach der Belagerung Wiens im Jahr 1683, als die flüchtende osmanische Armee Säcke mit Kaffeebohnen zurückließ. Ein polnischer Soldat namens Jerzy Franciszek Kulczycki fand heraus, was damit anzufangen war, und eröffnete das erste Café der Stadt. In den 1900er Jahren waren Orte wie das Café Central und das Café Landtmann die eigentlichen Denkwerkstätten von Persönlichkeiten wie Trotzki, Freud und Klimt. Ich musste es zweimal nachschlagen, aber Trotzki hat tatsächlich jahrelang im Café Central Schach gespielt, bevor er auszog, um einer Revolution zu helfen.

Die Kaffeekarte ist eine eigene Sprache. Ein „Melange" entspricht in etwa einem Cappuccino. Ein „Einspänner" ist schwarzer Kaffee mit Schlagobers in einem hohen Glas. Ein „Verlängerter" ist ein Americano. Wer „normalen Kaffee" bestellt, erntet einen verwirrten Blick – so wie in manchen Teilen Amerikas ein Glas Selters kommt, wenn man „Soda" bestellt.

Die erste Bildpostkarte

Die moderne Bildpostkarte – mit einem Foto auf der Vorderseite und Platz für eine Nachricht auf der Rückseite – hat ihren Ursprung in Österreich. Die erste staatlich genehmigte Korrespondenzkarte wurde im Oktober 1869 von der österreichischen Post eingeführt, entworfen vom Ökonomen Emanuel Herrmann. Innerhalb weniger Monate kopierten andere Länder das Konzept. Bald erschienen Bildversionen. Die gesamte weltweite Tradition der Urlaubsgrüße geht auf eine Verwaltungsentscheidung in Wien zurück [5].

Österreich schenkte der Welt auch die Schneekugel. Im Jahr 1900 versuchte ein Wiener Instrumentenmacher namens Erwin Perzy, eine hellere Operationslampe zu erfinden, indem er reflektierende Partikel in eine wassergefüllte Glaskugel gab. Die Lampe funktionierte nicht. Aber der Schneeeffekt war wunderschön, und seine Familie stellt Schneekugeln seitdem in derselben Werkstatt in Wien über fünf Generationen hinweg her. Sie werden noch heute von Hand gefertigt – einige Tausend pro Tag.

Essen, das über sich hinauswächst

Die österreichische Küche wird oft als „Schnitzel und Strudel" abgetan – das unterschätzt sie ungefähr so sehr, wie man die italienische Küche auf „Pizza und Pasta" reduzieren würde. Das Wiener Schnitzel ist real, und es ist gesetzlich geschützt. Nach österreichischer Vorschrift muss ein „Wiener Schnitzel" aus Kalbfleisch bestehen. Wird Schweinefleisch verwendet, muss es „Schnitzel Wiener Art" heißen. Das wird kontrolliert. Restaurants werden bestraft.

Die Sachertorte ist ein dichter Schokoladenkuchen mit einer dünnen Schicht Aprikosenmarmelade, erfunden 1832 von einem 16-jährigen Lehrling namens Franz Sacher, als sein Chef krank wurde und ein Habsburger Prinz ein Dessert benötigte. Das Rezept ist noch immer ein Betriebsgeheimnis, und in den 1950er und 60er Jahren gab es einen sieben Jahre langen Rechtsstreit zwischen dem Hotel Sacher und dem Café Demel darüber, wer seinen Kuchen „Original Sachertorte" nennen darf. Das Hotel Sacher gewann. Demel darf seine Variante als „Eduard Sacher-Torte" verkaufen. Österreicher nehmen ihren Kuchen sehr ernst.

Dann ist da noch der Apfelstrudel. Der Teig wird so dünn ausgerollt, dass der traditionelle Test darin besteht, ihn über einen Tisch zu legen und eine Zeitung hindurchzulesen. Kann man den Druck nicht lesen, ist der Teig nicht dünn genug.

Ein Land mit starken Ansichten zum Thema Recycling

Österreich recycelt etwa 63 Prozent seines Siedlungsabfalls – eine der höchsten Quoten in der Europäischen Union. Der öffentliche Nahverkehr in Wien ist so gut und so günstig, dass ihn mehr als die Hälfte der Stadtbevölkerung täglich nutzt. Eine Jahreskarte kostet 365 Euro – genau ein Euro pro Tag, und das ist bewusst so. Der Preis wurde auf einen Euro pro Tag festgesetzt, damit sich die Menschen wohl dabei fühlen, nicht mit dem Auto zu fahren.

Wien belegt auch Jahr für Jahr Spitzenpositionen in internationalen Rankings der lebenswertesten Städte der Welt. Qualität der Gesundheitsversorgung, Sozialwohnungsbau, Parks, Trinkwasser aus den Alpen direkt aus dem Hahn. Das Wasser der Stadt kommt aus Alpenquellen mehr als 100 Kilometer entfernt, unbehandelt, durch Schwerkraft, durch Aquädukte, deren Bau 1873 begann. Was, wenn man darüber nachdenkt, ein leise großartiges Stück Ingenieurskunst ist.

Häufig gestellte Fragen

Wofür ist Österreich am bekanntesten?

Österreich ist am bekanntesten für klassische Musik (Mozart, Haydn, Schubert), Wiens Kaffeehauskultur, die Alpen und den Skisport. Das Land hat auch Persönlichkeiten wie Sigmund Freud und Erwin Schrödinger hervorgebracht. Wien wird regelmäßig zu den lebenswertesten Städten der Welt gezählt.

Welche Sprache spricht man in Österreich?

Die Amtssprache ist Deutsch, genauer gesagt Österreichisches Deutsch, das einen eigenen Wortschatz und eine eigene Aussprache hat. Gängige österreichische Begriffe unterscheiden sich vom Standarddeutschen, etwa bei Kartoffeln (Erdapfel statt Kartoffel) und Tomaten (Paradeiser statt Tomate). In touristischen Gebieten und Großstädten wird Englisch weit verbreitet gesprochen.

Ist Österreich ein Teil Deutschlands?

Nein, Österreich ist ein unabhängiges Land und war es seit 1955, als es nach dem Zweiten Weltkrieg die volle Souveränität wiedererlangte. Obwohl Österreich und Deutschland eine gemeinsame Sprache und einige historische Verbindungen teilen, haben sie getrennte Regierungen, hatten einst unterschiedliche Währungen und besitzen eigenständige nationale Identitäten. Österreich war historisch das Zentrum des Habsburgerreiches.

Welche Währung wird in Österreich verwendet?

Österreich verwendet den Euro (EUR). Das Land trat 1999 der Eurozone bei und führte 2002 Euro-Banknoten und -Münzen ein, die den österreichischen Schilling ablösten. Kreditkarten werden weitgehend akzeptiert, aber Bargeld ist in kleineren Betrieben und ländlichen Gebieten noch immer üblich.

Wann ist die beste Reisezeit für Österreich?

Die beste Reisezeit hängt davon ab, was man erleben möchte. Dezember bis März ist die Hochsaison für Skifahren in den Alpen. Mai bis September ist ideal zum Wandern, für Seeausflüge und Stadtbesichtigungen in Wien und Salzburg. Im Dezember locken Weihnachtsmärkte, besonders in Wien und Salzburg, die zu den größten Attraktionen zählen.

Quellen